Berlin-Alexanderplatz
8. September 2009, 10.35 Uhr.
Kommissar Handschuh erreichte den Brunnen der Völkerfreundschaft. Der Gerichtsmediziner hatte seine erste Untersuchung abgeschlossen und verlud das Opfer gerade, um es ins Labor zu fahren.
„Eins kann ich sagen: Aus Versehen ertrunken ist der nicht, auch wenn er nicht ganz nüchtern war.“
„Nein?“
„Mindestens ein Messerstich ins Herz. Bevor er ins Wasser fiel.“
„Oh.“
„Die Kollegen haben ein Messer im Wasser gefunden und in der Wache warten bereits drei Verdächtige.“
„Gute Arbeit!“
Zuerst nahm sich Handschuh den Punker vor.
„Name?“
„Karl Liebknecht.“
„Können Sie sich ausweisen?“
„Mann, Ihr kennt mich!“
Handschuh musste sich zusammenreißen.
„So Liebknecht, jetzt pass mal auf, dass wir dich nicht im Wald vom Laster schubsen. Ich verspreche Dir, dass Du hier die nächsten drei Wochen keinen Tropfen Alkohol zu Gesicht kriegst!“
„Was soll der Scheiß, Mann?“
„He, hier geht es um Mord!“
„Scheiß Nazis!“
„Was?!“
„Der Typ. Nazischwein. Verpassen Sie dem, der es getan hat, lieber ne Auszeichnung.“
„Du warst es nicht?“
„Ich brauchte nichts mehr machen, als ich kam, war er schon tot.“
Das Telefon klingelte.
„Machen Sie hin, Chef. Draußen stehen 20 Türken.“
„Was wollen die denn?“
„Den zweiten Verdächtigen holen. Es ist der jüngste Sohn der Familie, noch keine 18.“
„Verdammt.“
„Noch was, Chef. Das Messer ist tatsächlich die Tatwaffe, hat aber keine Fingerabdrücke. Vielleicht vom Wasser. Es ist aber wahrscheinlicher, dass der Täter Handschuhe getragen hat.“
„Nhg“, grunzte Handschuh. Er hasste es.
„Ohne meine Familie sag ich nix.“
Was für eine Begrüßung.
„So, Üzgür, was ist da eigentlich passiert?“
„Mann ey, ich kam da an und wollte bisschen mit meinen Kumpels abhängen, da lag die Glatze im Wasser. War voll tot, ey.“
„Und Du hast nicht nachgeholfen?“
„Ist mir doch egal, mit wem meine Schwester abhängt. Ich bin nicht so’n Messerstecher.“
„Messerstecher?“
„Naja, Ehrenmord und so.“
„Und woher…?“
„He, das hängt Ihr mir nicht an. Ich bin sauber. Ich bin doch nicht blöd. Kam grade aus’m Mediamarkt, neues Handy geholt, voll geil ey. Das Messer steckte noch im dem Typen drin. Brandneues Messer. Ich wollte das mitnehmen. Als ich den Typen bisschen umdrehte rutschte das Teil raus und dann klickten auch schon die Handschellen.“
„Wozu brauchen Sie eigentlich die Einmalhandschuhe, die in Ihren Stiefeln steckten?“
„Ich weiß nicht, wo die herkommen. Die muss mir jemand da rein geschoben haben, ehrlich!“
„Herr Mehdorn.“
„Kann ich bitte meinen Anwalt anrufen?“
„Natürlich, kein Problem. Bis er kommt können Sie mir ja vielleicht kurz schildern, was passiert ist?“
„Ich war gerade mit der S-Bahn aus Charlottenburg gekommen und wollte zum Saturn, ein Navigationsgerät kaufen. Da komme ich an dem Brunnen vorbei und da liegt mein Gartennachbar drin. Ich geh schauen, ob ich ihm helfen kann, da seh ich, dass er tot ist. Und dann kamen auch schon Ihre Kollegen.“
„Nun Chef, wie sieht’s aus?“
„Da versucht mal wieder jemand, jemand anderem die Schuld in die Schuhe zu schieben. Ist aber ein ganz schwacher Versuch.“
„Kennen Sie den Täter?“
„Ja.“
Wer war es? Und woher weiß es der Kommissar?
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