KAFFEEWEIBER

Zu Fuß durchs Internet

Zwei-Klassen-Bildung

Dass in Deutschland längst die Zwei-Klassen-Medizin herrscht, ist bekannt und wird hingenommen. Solange die AOK-Patienten auch nicht eher sterben als die Privatversicherten.

Von der Zwei-Klassen-Bildung hat man immerhin gehört, dass sie auf dem Vormarsch sei. So richtig überzeugend ist das zwar noch nicht, was die Privatschulen da machen und es gibt meines Wissens auch noch keine, die in Deutschlands Mittelschicht bundesweit bekannt und berühmt ist.

Aber bereits auf den staatlichen Schulen öffnet sich die Schere:

Der Sohn meines Kollegen wechselt zum nächsten Schuljahr von der Grundschule ans Gymnasium. Damit die Schüler dann auch in den richtigen Schulen landen gab es Formulare zum Ausfüllen.
Da kann man mehrere Schulen in der Reihenfolge der eigenen Wünsche angeben. Mein Kollege hat nun mehrere abendfüllende Besichtigungen hinter sich. Gespräche, Informationsabende, Tage der offenen Türen. Der Schulweg wurde minutiös ausgemessen, auch die Schulwünsche der noch aktuellen Klassenkameraden wurden berücksichtigt. Das Ergebnis wurde auf dem Formular vermerkt. Wunschschule, Zweitwunsch, Drittwunsch.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es sich um den zweitbesten Schüler seiner Klasse handelt.

Das vorläufige Ergebnis ist, dass er als einer von insgesamt 2 Schülern des kompletten Jahrgangs NICHT an der Wunschschule unterkam. Natürlich auch nicht an Zweit- oder Drittwunschschule, denn da kamen ja die hin, die diese Schulen als ihren Erstwunsch angegeben hatten. Die Begründung des Schulamtes ist haarsträubend.
Auf diesen Formularen gab es folgende Abfragen:
“A. Erfolgt die Oberschulwahl ausschließlich aufgrund eines bestimmten Wahlpflichtangebotes?
B. Erfolgt die Oberschulwahl ausschließlich aufgrund des Schulprogramms?”

Nun waren sie so ehrlich und haben 2x NEIN angegeben, weil ja auch die Entfernung, die Atmosphäre, … (s.o.) … eine Rolle spielten und die Entscheidung eben nicht ausschließlich aufgrund eines einzigen Kriteriums fiel. Hätten sie dort nun 2x JA angegeben - was sich ausschließt, wenn ich AUSSCHLIEßLICH das eine habe kann ich das andere gar nicht mehr haben! -, so wie andere Kinder, die an dieser Schule genommen wurden, hätte der Junge seine Wunschschule bekommen.

Tja, so siehts aus mit dem Bildungsniveau in unseren Schulämtern. Erbärmlich.

Trotzdem halte ich jede Wette, dass der Junge an seine Wunschschule kommt.
Denn die Rettung naht in Gestalt eines Geldscheines, der vorne eine 1 und hinten drei 0en hat. Nicht etwa für die Dame vom Schulamt, so was gibts nicht und außerdem hätte für die die Hälfte genügt, sondern für eine Fachanwältin für Verwaltungsrecht, die sich mit Schulrecht auskennt. Dafür gibts den Widerspruch gegen den Bescheid und die gleichzeitige Klage, die Aufnahme weiterer Schüler an der gewünschten Schule bis zum Widerspruchsbescheid zu stoppen.
Das volle Programm.
Für den vollen Geldbeutel.

Juni 6, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Bildung | , , , | 3 Kommentare

Gunnar Schupelius in Cicero 2/2008

Ich gebe zu, es ist nicht wirklich die neueste Nachricht auf Erden, aber es muss doch einmal gesagt werden:

Gunnar Schupelius, seines Zeichens “Chefreporter” der “größten Zeitung Berlins (B.Z.)”, bemängelt in der Cicero-Ausgabe 2/2008 den Sittenverfall der Gesellschaft.
Welch Hohn.
Die B.Z. ist Sittenverfall pur. Als “Chefreporter” dürfte Mr. Oberprediger Schupelius maßgeblich dazu beigetragen haben, dass es weder Anstand noch Moral mehr gibt. Dass Cicero ihm hier die Bühne gibt, wo es sich selbst doch als “Magazin für politische Kultur” versteht, spricht nicht für das Blatt. Auch die anderen Artikel sind nicht besser. Hier findet aalglattes Infotainment statt, pro Hochglanzseite ein schick verpacktes Häppchen, keine Ecken, keine Kanten, kein Wiedererkennungswert. Kultur sucht man insoweit vergebens, sieht man mal von den Vorabauszügen einiger Bücher ab.
Mein Fazit:
Es war das erste und einzige Mal, dass ich 7 Euro in diese Zeitschrift investiert habe.

P.S.
Was kostet eigentlich ein Playboy?
Da sind die Artikel ähnlich hochglanzpoliert und gehaltvoll, auch da gibts ab und zu Romanauszüge und zudem gibt es noch schöne Frauen zu bewundern.

Mai 5, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Gelesen, UnlesBar | , , , | 2 Kommentare

Kleine Rechenkunde

So, machen wir mal ein bisschen Mathe:

1.
21,7% aller Wahlberechtigten haben für Tempelhof gestimmt. Da nur 1,7 % aller Berliner Flüge von Tempelhof starten nehmen wir einfach mal an, dass auch nur 1,7 % aller Berliner diesen Flughafen nutzen (nutzen, nicht brauchen!). Wo kommen die anderen 20 % JA-Stimmen eigentlich her?

2.
Die Rettet-Tempelhof-Kampagne hat 3,5 Mio € gekostet (nagelt mich nicht an Quellen fest, habe es im Inforadio gehört).

Frage:
Wie teuer ist eine Stimme?

Lösung:
21,7% = 530.231 JA-Stimmen
1% = 24.434,61 Stimmen
1,7% waren sowieso für Tempelhof (s. oben), bleiben
20% = 488.692,20 Stimmen

488.692,20 Stimmen = 3,5 Mio €
1 Stimme = 7,16 €.

Damit kostet ein gemeiner Berliner 1 Currywurst mit Pommes rot/weiß und ein Bier. Hurra!

April 28, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Satire | , , , | Keine Kommentare

Tempelhof!

Ja, eine sexy Stadt wie Berlin braucht nicht nur einen, nicht nur zwei, sondern drei innerstädtische Flughäfen, um cool zu sein. Fluglärm und sonstige Emissionen müssen gerecht über die Stadt verteilt werden. Für Tempelhof heißt das nicht nur, wie in guten alten Luftbrücken-Zeiten den vollen Flugbetrieb im 5-Minuten-Takt wiederaufzunehmen, sondern gleich den Flughafen zu vergrößern. Mindestens eine neue Startbahn muss her, empfehlen täte sich da die etwas begradigte A100 bis Südkreuz. Zehlendorf muss endlich in der Einflugschneise liegen. So viel Solidarität mit den reicheren Bevölkerungsschichten muss schon sein.
Besonders gut für den Standort Berlin ist, dass der 5-Minuten-Takt auch nachts durchgehalten wird.
Bleiben eigentlich nur noch unsere bisher sträflich vernachlässigten Marzahner Freunde, die Flugzeuge nur aus alten Märchenbüchern kennen. Was bietet sich mehr an als ein Militärflughafen, das schafft auch gleich noch Arbeitsplätze. Machen wir Marzahn zur Tiefflugschneise und den chinesischen Garten zum Bombenabwurfplatz! Dann hört dieses elende Ossi-Gejammere gegen das Bombodrom in der freien Heide auch endlich auf.

April 26, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Satire | , , , | Keine Kommentare

Zukunft schreibt man mit Z

Ja, liebe Legastheniker. Mit Z. Würde ja sonst auch Jakunft heißen.
Der derzeit allenthalben in Berlin zu lesende Spruch “Zukunft schreibt man mit JA” zeugt vom geistigen Zustand der Tempelhof-Befürworter.
Neulich habe ich in der Zeitung von einem gelesen, der nur deswegen für Tempelhof war, weil Bürgermeister Wowereit dagegen ist.
O.k., Grinsebacke Wowi ist nicht der Schönste. Aber im Vergleich zu Friedbert Pflüger oder gar Angela Merkel, beides bekennende Tempelhof-Befürworter, ist Wowereit die reinste Miss Universum. Oder nehmen wir Herrn Mehdorn, auch für Tempelhof: da nützt alle verständliche Abneigung gegen Wowereit nichts mehr, da muss man schon seinen Verstand ausgeschaltet haben, wenn man Tempelhof nur deswegen toll findet, weil auch Herr Mehdorn dafür ist.
Genausogut kann man bei der nächsten Wahl auch NPD wählen, weil Sarah Wagenknecht bestimmt ganz doll gegen die ist. Oder den Fernsehturm in die Luft jagen, weil IM “Schnüffel” Schäuble gegen Terroristen ist.
Mit Logik hat das jedenfalls alles nichts zu tun. War bei den Templern auch nicht zu erwarten. Die argumentieren eher so emotional. Tempelhof ist Berlin, war immer schon, muss immer bleiben und so.
Dabei gibt es neben der Schließung nur eine mögliche Alternative: den Weiterbetrieb mit bisherigem Status quo. Also ein Privatflughafen für wenige Reiche. Diese sind so reich, dass sie mal eben so nebenbei mehrere Millionen Euro aus der Portokasse aufbringen, um diese legasthenische Werbekampagne zu finanzieren. Für die - und nur für die - hat Tempelhof noch eine praktische Bedeutung. Aber für die anderen 98,3 %:
Zukunft fängt mit Z an!
Und das Kreuz muss bei NEIN!

April 25, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin | , , , | Keine Kommentare

Tempelhof? Find ich doof! Oder: Mehdorn fliegt!

Ich gebe es zu, ich bin schuld.

Ich habe für das Volksbegehren unterschrieben.

Aber nur, um dann mit NEIN stimmen zu können. Man konnte ja nicht hingehen und GEGEN das Volksbegehren stimmen. Die Jungs von der Bürgerinitiative staunten jedenfalls nicht schlecht, als ich mit “Startbahn zu Haschischplantagen”-Aufkleber an ihren Stand kam und für das Volksbegehren unterschrieb.

Der Herr Mehdorn traut ja seiner eigenen Firma, deren Aufgabe es ist, jemanden von A nach B zu bringen, eben dies nicht zu. Und das will was heißen. Er behauptet, man brauche Tempelhof. Wo doch nahezu jedes von Tempelhof startende Flugzeug eine direkte Konkurrenz zur Bahn ist. Wie soll man dieses Verhalten irgendjemandem erklären können? Mehdorn wird wohl mal versucht haben, mit der Bahn zu fahren. Alleine die Fahrt aus einer Stadt mit ICE-Bahnhof in eine andere Stadt mit ICE-Bahnhof bietet ja schon das Abenteuer, das günstigste Ticket zu finden. Ist die BahnCard 25 freitags günstiger als das DauerSpezial, wenn die Rückfahrt innerhalb der nächsten 137 Stunden erfolgt und man ein nichteheliches Kind und einen Hund dabei hat? Hat er wohl auch nicht geschafft und sich gesagt: lieber flieg ich. Sollen die Dummen Bahn fahren.

Na dann: Soll er doch fliegen!

Wo Schönefeld so genial an den Berliner Nahverkehr angebunden ist. Davon können andere hauptstädtische Flughäfen nur träumen. Versuchen Sie mal, für 3,50 € vom Charles-de-Gaulle wegzukommen! Dafür kriegen Sie in Heathrow nicht mal Ihr Gepäck wieder. Na gut, das kriegen Sie da sowieso nicht mehr wieder.

Was sind denn die Argumente der Flughafen-Befürworter?

Berlin würde jedes Jahr viele Millionen Euro, einen unschätzbaren Standortvorteil, viele Arbeitsplätze und ein Wahrzeichen verlieren. Das grenzt an Volksverdummung. Leute, setzt Euch in die letzten von Tempelhof gehenden Flieger und verschwindet mitsamt dem Flughafen. Nehmt ihn mit, wo immer ihr hinfliegt. Wir wollen und wir brauchen ihn nicht. Genausowenig wie Euch, die Ihr mit Sicherheit nicht in der Einflugschneise eines innerstädtischen Flughafens wohnt.

WEG MIT TEMPELHOF!

(Und Neukölln könnt Ihr auch gleich mitnehmen.)

April 19, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Ick wer zun Kommunist, Satire | , , , , , , | Keine Kommentare

Exklusiv auf Kaffeeweiber: Der größte Saturn aller Zeiten

Nachdem am Alexanderplatz in Berlin in diesem rosafarbenen Betonklotz der Ich-bin-doch-nicht-Blödeste MediaMarkt aller Zeiten aufgemacht hat hat der gleich um die Ecke gelegene Saturn, bisher unangefochtener Platzhirsch, nix mehr zu melden.

Deshalb wird jetzt gleich neben dem alten ein neuer Der-geilste-Saturn aller Zeiten gebaut.

Erste Fotos gibt es ganz exklusiv hier .

April 19, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Satire | , , , | Keine Kommentare

Tragt mehr Pelze

Kelly Bundy und andere mehr oder weniger gut aussehende Frauen (und inzwischen wohl auch ein paar Männer) haben sich in den letzten Jahren im Rahmen der PETA-Kampagne nackicht fotografieren lassen, um gegen das Tragen von Pelzen zu protestieren. So weit so schön.

Wenn ich jedoch dieser Tage durch Berlin laufe überkommt mich das dringende Bedürfnis, die Welt möge mehr, viel mehr Pelz tragen.

Hundepelz!

In anderen Jahren war die Scheiße im Winter wenigstens gefroren. Erst beim Einsetzen des Tauwetters Ende März wurde man an die kleinen Unterschiede von verfaultem Laub und Hundekacke erinnert. Aber dieses Jahr war alles Kacke. Immer und überall.

Wenn ich auch nur einen erwische, der seinen Köter mitten auf den Weg kacken lässt, dem werde ich mit dem Zeug notfalls eigenhändig die Zähne putzen!

April 19, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Satire | , , , , | Keine Kommentare

Wladimir Kaminer: Ich bin kein Berliner, Goldmann 2007

Ich wollte immer schon mal wissen, wer dieser Kaminer, der mit “Russendisko” bekannt geworden ist, eigentlich ist. Hier vereint er ein paar mehr oder weniger amüsante Geschichten über Berlin in einem Buch. Das ganze erinnert so ein bisschen an einen Reiseführer, die einzelnen Geschichten beschreiben verschiedene most-wanted-Themen wie Essen in Berlin, Verkehr in Berlin, Freizeit in Berlin usw.

Er selbst betont jedoch ausdrücklich, dass es kein Reiseführer sei. In der Regel sucht sich Kaminer ein Objekt der (eigenen) Begierde aus der jeweiligen Kategorie aus und schreibt ein nettes Geschichtchen dazu. Das liest sich flott und zaubert ein ums andere Mal ein Grinsen ins Gesicht, weil er sehr lebendig beschreibt, was jeder hier schon mal erlebt hat.

Einige der jeweils 4-7seitigen Texte scheinen allerdings nur Füllmaterial zu sein, aus den Fingern gesaugt in dem Bemühen, mehr als die 192 Seiten der Russendisko zusammen zu bekommen.
Am Ende der Geschichten kommen dann noch ein paar Tipps zu Alternativen, damit nähern wir uns doch wieder dem Reiseführercharakter.

Alles in allem sehr lesenswert und ein gutes Geschenk zudem.

März 16, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Gelesen, LesBar | , , , | Keine Kommentare