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Zu Fuß durchs Internet

Harry Potter und die goldene Festung

Achtung: es folgt ein intellektueller Beitrag!
Ein Sommerloch-Füller.
Vor allem jedoch: ein antizyklischer Beitrag. Nichts ist momentan so tot wie Harry Potter, obwohl der ja eigentlich gar nicht tot ist.
Aber die Geschichte ist erzählt, verkauft, beendet. Alles könnte so schön sein. Wenn man sich nicht daran gewöhnt hätte, dass alle paar Jahre ein neuer Potter-Band erscheint. Worauf soll man jetzt warten? Auf die noch ausstehenden zwei Filme? Davor graust mir eher. Natürlich werde ich die Filme ansehen, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass sie das nicht vorhandene Niveau des 5. Films noch unterbieten werden.
Manchmal lässt aber JKR ein paar Schnipsel fallen, auf die sich durchaus zu warten lohnt. Hintergrundinformationen, wie Hermine sagen würde. Manchmal lässt sie aber auch gleich ein paar Bücher fallen, jetzt soll es auch noch ein Vorwort geben, das zeitlich vor Voldemorts erstem Versuch, Harry zu töten, angesiedelt ist. Nur - weder das eine noch das andere werde ich (mangels Geld) jemals zu sehen bekommen. Der Erlös aus der Versteigerung soll nämlich an wohltätige Zwecke gehen. Das heißt in der Regel und in diesem Fall ganz sicher: das Geld aller meiner Freunde zusammen reicht nicht. Warum muss Wohltätigkeit ungerechter sein als das deutsche Steuersystem?
So, jetzt aber die erfreuliche Nachricht: diejenigen, die in der Lage sind, den Inhalt des 7. Bandes zu vergessen, sollten sich die FanFiction “Harry Potter und die goldene Festung” herunterladen und lesen. Im Normalfall sind diese Stories relativ schlecht, aber diese hier scheint eine rühmliche Ausnahme zu sein. Auf den ersten 320 Seiten ging es mir manchmal so wie beim Original: man liest bei Tisch, beim Zähneputzen, im Bett; man will wissen, wie es weitergeht. Natürlich gibt es Stellen, die gehen sowas von gar nicht, natürlich kommt einem immer wieder das Wissen um die “wahre” Geschichte in die Quere.
Aber sonst: Hut ab! Eindeutig empfehlenswert. Ich hoffe, das bleibt auch die nächsten 400 (!) Seiten so.

Nur noch eine Frage (ich habe ja gesagt, es wird intelektuell): was ist eigentlich schädlicher für die Umwelt: die 700 Seiten ausdrucken oder sie am Bildschirm lesen?

Mai 31, 2008 Verfasst von nomadyss | Gelesen, LesBar | | Keine Kommentare

Wladimir Kaminer: Ich bin kein Berliner, Goldmann 2007

Ich wollte immer schon mal wissen, wer dieser Kaminer, der mit “Russendisko” bekannt geworden ist, eigentlich ist. Hier vereint er ein paar mehr oder weniger amüsante Geschichten über Berlin in einem Buch. Das ganze erinnert so ein bisschen an einen Reiseführer, die einzelnen Geschichten beschreiben verschiedene most-wanted-Themen wie Essen in Berlin, Verkehr in Berlin, Freizeit in Berlin usw.

Er selbst betont jedoch ausdrücklich, dass es kein Reiseführer sei. In der Regel sucht sich Kaminer ein Objekt der (eigenen) Begierde aus der jeweiligen Kategorie aus und schreibt ein nettes Geschichtchen dazu. Das liest sich flott und zaubert ein ums andere Mal ein Grinsen ins Gesicht, weil er sehr lebendig beschreibt, was jeder hier schon mal erlebt hat.

Einige der jeweils 4-7seitigen Texte scheinen allerdings nur Füllmaterial zu sein, aus den Fingern gesaugt in dem Bemühen, mehr als die 192 Seiten der Russendisko zusammen zu bekommen.
Am Ende der Geschichten kommen dann noch ein paar Tipps zu Alternativen, damit nähern wir uns doch wieder dem Reiseführercharakter.

Alles in allem sehr lesenswert und ein gutes Geschenk zudem.

März 16, 2008 Verfasst von nomadyss | Berlin, Gelesen, LesBar | , , , | Keine Kommentare