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Achtung: kann Spuren von Satire enthalten

Ist Oma jetzt eine Katze? (Teil 1)

Posted by nomadyss - 10. April 2008

Vor Jahren war ich Zivi im Altenheim. Auf Station 2, wo die schweren Fälle lagen, die, die schon einen Schritt weiter als die anderen waren.

Lothar, genannt Lotte, der eine schwere Behinderung davontrug, weil er als Kind immer auf derselben Seite lag. Sein Körper hatte sich angepasst und war auf einer Seite ganz platt. Er hat mich mal mit seinem Meyra-Elektro-Rolli über den Flur fahren lassen. Wenn man sein Zimmer betrat musste man nach dem lauten Anklopfen immer etwas warten, bis man eintrat, sonst war er nicht schnell genug mit Umschalten des Fernsehers, und man sah noch kurz ein paar Bilder der Filmchen, die er gerne guckte.

Oder unser General, der die braune Uniform gebügelt im Schrank hängen hatte und penibel die Haarwaschzeit überwachte. Als wenn er noch Haare gehabt hätte. Den ersten Anschiss bekam ich, weil ich ihn zu schnell über den Flur schob, den zweiten, weil ich eine Minute zu früh wieder auf dem Rückweg mit ihm war.

Picki, von Parkinson ans Bett gefesselt. Waschen war nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Weil er sich am Bettgestell festkrallte und nicht loszubekommen war, wurde ein Fluss durch sein Spezialbett geleitet. Oben das Wasser reingegossen, damit der alte Knabe wenigstens ein bisschen Wasser abbekam. Am Fußende lief das Abwasser dann wieder raus. In besseren Zeiten soll er mal, während die Schwester kurz draußen war, um eine neue Windel zu holen, kleine Schafsköttel gekäckert haben, die er der Schwester mit den Worten in die Hand drückte: „Sind genau 13, aber pass auf, die färben ab!“

Sterze, Ost-Vertriebene, die mich sehr mochte, weil ich ein junger Mann war, quasi eine Rarität im Altenheim. „So ein schöner Junge. Mach doch mal den Bart ab.“

Sie hatte 3 Zimmergenossinnen, die alle schon irgendwie jenseits des Vorhanges waren. Die eine ärgert sich über ihr schlecht sitzendes Gebiss und hat natürlich den ganzen Tag das ihrer Nachbarin im Mund. Für die andere war das Fernsehprogramm Teil ihres Lebens. Sie erzählte mir, sie hätte gestern Boris Becker geheiratet, weil sie ihn kurz zuvor im TV gesehen hatte. Es war ihre Wahrheit.

Herr Zahn bekam seinen Schnaps ärztlich verordnet, worauf er außerordentlich stolz war. Was er nicht wusste, war, dass wir das Zeug heimlich 1:1 verdünnten. Aber wehe, das Glas stand nicht pünktlich und mit Berg auf seinem Tisch. Einen mittleren Aufstand gab es, als eine Schwester seine Mischung aus Versehen ein weiteres Mal 1:1 verdünnte.

Eine Bewohnerin bekam Beruhigungsmittel die als etwas seltsame Nebenwirkung einen äußerst starken Bewegungsdrang hervorriefen. Den ganzen Tag schlurfte sie durch die Gänge des Heims. Was ihr dabei in den Weg kam verschwand in ihren Taschen oder in ihren Mund. So genau wollte das dann keiner mehr wissen.

Im Altenheim auch die bisher längsten 4 Meter meines Lebens. Eines Morgens betrat ich das Zimmer zweier Herren, die kurz zuvor mit einem heftigen Ausbruch von Durchfall und Erbrechen das gesamte Zimmer neu koloriert hatten. Ich weiß nicht, wie ich es bis ans Fenster geschafft habe, ohne die Pfützen im Zimmer noch zu vergrößern.

Wer nach der Arbeit nicht abschalten konnte machte den Job nicht lange.

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