kaffeeweiBer

Achtung: kann Spuren von Satire enthalten

Wie man sich bettet so schläft man nicht

Posted by nomadyss - 3. Mai 2008

Wie erträgt man die Welt, wenn man an einem extrem grauen trüben Spätnachmittag, der einen mit einem dünnen Wasserfilm auf Händen und Gesicht zurücklässt, in der S 11 von Düsseldorf nach Neuss Norf fährt?
Wenn man im Bus nach nirgendwo namens Neuss Norf Nord-Dorf der einzige Fahrgast ist, der Busfahrer fährt, als ob der Teufel persönlich hinter ihm her ist, dabei ist weit und breit kein IM „Rollstuhl“ Schäuble in Sicht. Man verlässt den Bus, ein Kreisverkehr, Einfamilienhäuser, eine Tankstelle, ein Ortsausgangsschild, kein Gehweg mehr, KEIN verdammtes Mercure Hotel. Hier ist, wo nichts mehr ist. Wo das große allmächtige Rheinland seinen Verdauungstrakt hat, wo Düsseldorf hinpupst.
So stelle ich mir das ländliche Amerika vor. Hier erträgt man die Welt nur, indem man sie nicht erträgt.
Meine Güte, da bin ich durch Bielefeld gefahren und dachte, schlimmer kann es nicht kommen. Ja, und dann kam ich nach Neuss und dachte, schlimmer kann es nicht kommen. Und dann kam ich ins Mercure Hotel.
Boah.
Hatte ich erwähnt, dass es ein grauer Tag war?
Das Fehlen jeglicher Farbe draußen war aber nichts gegen das Fehlen der Farbe drinnen. Grauer Teppich, graue Wände, ein grauer Vorhang vor dem Fenster. In der Nacht ein Klopfen direkt vor dem Fenster, als ob jemand mit einem Kuhfuss auf einen Fahnenmast einprügelt. Irgendwann muss der doch aufhören und verschwinden, dachte ich mir. Er sah das anders und prügelte weiter. Müde und wütend traute ich mich doch mitten in der Nacht ans Fenster und spähte hinaus. Aber da war kein Fahnenmast. Und keiner, der einen Kuhfuss schwang. Überhaupt war eigentlich keiner da. Das Klopfen kam auch plötzlich gar nicht mehr von draußen, sondern von unten. Wieso von unten? Da ist doch nichts, nur die Heizung.
Die Heizung.
Das kann nicht sein. Das ist ein 4-Sterne-Hotel.
Einen Versuch ist es wert. Heizung abgedreht.
Keiner klopft mehr.
Ich fass es nicht. Ich will nach Hause.

Advertisements

2 Antworten to “Wie man sich bettet so schläft man nicht”

  1. hape42 said

    hmmmmm
    War das wirklich heute (Samstag?)
    Heute war strahlend blauer Himmel in Neuss-Norf.
    Gestern war es etwas bewölkt 😉

    Naja, fast egal.
    Schade dass es Dir nicht gefällt, ich wohne gerne hier.

    Gruß aus Neuss-Norf
    Hape

  2. nomadyss said

    Hallo Hape,

    hast Recht, es ist schon ein paar Tage her. Musste mich erst mal erholen…
    Die Industriegebiete, durch die man mit der S 11 fährt, machen es einem nicht gerade leicht, Neuss zu mögen.
    Vielleicht noch ein paar Details am Rande: das Hotelpersonal hatte keine Ahnung, dass man überhaupt mit dem Bus zum Hotel kommt, das hinterläßt schon mal einen schlechten Eindruck. Habe ca. 2 Stunden gebraucht, auf der Internetseite von Rhein-Ruhr den richtigen Bus zu finden. Und dann steigt man in Norf aus und bemerkt als erstes dass es weder eine Ausschilderung zum Hotel noch zum Bus gibt.
    Da möchte man am liebsten gleich wieder einsteigen und woanders hin fahren.
    Dann schläft man schlecht, kriegt das Altbier in 0,4-Liter-Gläsern (dann schmeckt es wirklich alt) und zahlt für die Nacht 89,- €….

    nomadyss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: