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Achtung: kann Spuren von Satire enthalten

Zwei-Klassen-Bildung

Posted by nomadyss - 6. Juni 2008

Dass in Deutschland längst die Zwei-Klassen-Medizin herrscht, ist bekannt und wird hingenommen. Solange die AOK-Patienten auch nicht eher sterben als die Privatversicherten.

Von der Zwei-Klassen-Bildung hat man immerhin gehört, dass sie auf dem Vormarsch sei. So richtig überzeugend ist das zwar noch nicht, was die Privatschulen da machen und es gibt meines Wissens auch noch keine, die in Deutschlands Mittelschicht bundesweit bekannt und berühmt ist.

Aber bereits auf den staatlichen Schulen öffnet sich die Schere:

Der Sohn meines Kollegen wechselt zum nächsten Schuljahr von der Grundschule ans Gymnasium. Damit die Schüler dann auch in den richtigen Schulen landen gab es Formulare zum Ausfüllen.
Da kann man mehrere Schulen in der Reihenfolge der eigenen Wünsche angeben. Mein Kollege hat nun mehrere abendfüllende Besichtigungen hinter sich. Gespräche, Informationsabende, Tage der offenen Türen. Der Schulweg wurde minutiös ausgemessen, auch die Schulwünsche der noch aktuellen Klassenkameraden wurden berücksichtigt. Das Ergebnis wurde auf dem Formular vermerkt. Wunschschule, Zweitwunsch, Drittwunsch.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass es sich um den zweitbesten Schüler seiner Klasse handelt.

Das vorläufige Ergebnis ist, dass er als einer von insgesamt 2 Schülern des kompletten Jahrgangs NICHT an der Wunschschule unterkam. Natürlich auch nicht an Zweit- oder Drittwunschschule, denn da kamen ja die hin, die diese Schulen als ihren Erstwunsch angegeben hatten. Die Begründung des Schulamtes ist haarsträubend.
Auf diesen Formularen gab es folgende Abfragen:
„A. Erfolgt die Oberschulwahl ausschließlich aufgrund eines bestimmten Wahlpflichtangebotes?
B. Erfolgt die Oberschulwahl ausschließlich aufgrund des Schulprogramms?“

Nun waren sie so ehrlich und haben 2x NEIN angegeben, weil ja auch die Entfernung, die Atmosphäre, … (s.o.) … eine Rolle spielten und die Entscheidung eben nicht ausschließlich aufgrund eines einzigen Kriteriums fiel. Hätten sie dort nun 2x JA angegeben – was sich ausschließt, wenn ich AUSSCHLIEßLICH das eine habe kann ich das andere gar nicht mehr haben! -, so wie andere Kinder, die an dieser Schule genommen wurden, hätte der Junge seine Wunschschule bekommen.

Tja, so siehts aus mit dem Bildungsniveau in unseren Schulämtern. Erbärmlich.

Trotzdem halte ich jede Wette, dass der Junge an seine Wunschschule kommt.
Denn die Rettung naht in Gestalt eines Geldscheines, der vorne eine 1 und hinten drei 0en hat. Nicht etwa für die Dame vom Schulamt, so was gibts nicht und außerdem hätte für die die Hälfte genügt, sondern für eine Fachanwältin für Verwaltungsrecht, die sich mit Schulrecht auskennt. Dafür gibts den Widerspruch gegen den Bescheid und die gleichzeitige Klage, die Aufnahme weiterer Schüler an der gewünschten Schule bis zum Widerspruchsbescheid zu stoppen.
Das volle Programm.
Für den vollen Geldbeutel.

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3 Antworten to “Zwei-Klassen-Bildung”

  1. Bildungsniveau im Schulamt? Machst Du eine Studie über Paradoxa, oder was?

  2. nomadyss said

    Ausschließlich!

  3. […] Geld in die richtigen Anwälte investiert, kommt weit in Deutschland. Z.B. an die richtige Schule, obwohl man zunächst abgelehnt wurde. Es war kurz, schmerzlos und teuer – aber erfolgreich. Der Junge ist ab nächstem Jahr auf der […]

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