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Achtung: kann Spuren von Satire enthalten

Back in hell

Posted by nomadyss - 10. August 2008

„Willkommen im Land der Frühaufsteher“ grüßt Sachsen-Anhalt, wenn man per Autobahn ins Land einrollt. Ich weiß nicht, was die für eine Statistik bemüht haben. Vielleicht muss der gemeine Sachsen-Anhaltiner besonders weit zur Arbeit fahren und deswegen so früh aufstehen, damit er rechtzeitig zum Schichtbeginn um 7 auf Arbeit ist.
Oder er muss nach Thüringen zur Arbeit und hat noch kein Navigationsgerät im Auto.
Denn die übliche Ausschilderung in Thüringen folgt nicht den Bedürfnissen des Ortsunkundigen. Die größeren Orte, die man als markant auf der Straßenkarte entdeckt, wird man auf den Schildern jedenfalls nicht finden. An wichtigen Kreuzungen fehlt die Ausschilderung ganz. Ich urlaube jetzt zum dritten Mal in Deesbach in Thüringen und ich habe es noch nie ohne Verfahren her geschafft.
Auch die Wanderkarten führen einen manchmal in die Irre. Oder sind die Karten richtig, nur die Wanderwege werden dauernd geändert? So war der Rückweg von der Talsperre mit gewissen Hindernissen verbunden, da der immerhin auf zwei Karten eingezeichnete Weg nicht existierte. Statt dessen weit und breit nur steil ansteigende Felswände. So was macht mich wahnsinnig. Die Wanderwege selbst sind mit Schutt, Steinen und Porzellanbruch vollgeschüttet, halt- und fahrbar gemacht und auch nach frostigen Wintern noch recht gut begehbar. Manche der Wege ändern allerdings im Frühjahr ihren Aggregatzustand und mutieren zu Schmelzwasserbächen. Allerdings habe ich auch schon die Hauptstraße in Lauscha während eines Gewitters zum Fluss werden sehen. Mit angespülten faustgroßen Kieselsteinen und von der Flut rausgerissenen Kanaldeckeln. Smart-Fahrer müssen aufpassen, dass sie nicht zusammen mit ihrem Gefährt von den offen stehenden Kanälen verschluckt werden. Da sollte man tunlichst seinen Pkw stehen lassen und auf einen Panzer umsteigen.

Der auf den Wanderwegen liegende Porzellanbruch ist übrigens eine besondere Erwähnung wert, denn es handelt sich nicht nur um gewöhnliche Scherben von zerkloppten Tellern. Vielmehr finden sich alle paar Meter Teile von Porzellanfiguren, besonders Köpfe und Beine, gelegentlich aber auch der eine oder andere Torso. Mir wurde erklärt, diese Teile wäre per Güllewagen auf die Felder, Wiesen und Wege gelangt. Da hat wohl jemand einen Porzellanesel im Keller, der Porzellan scheißt, wenn man ihm am Schwanz wackelt. Der Begriff „Deutsche Porzellanstraße“ gewinnt so auf jeden Fall eine neue Bedeutung.
Und wo wir gerade bei „Straße“ sind, Deesbach besitzt nach eigenem Bekunden die steilste Ortsstraße Deutschlands. 22,65% wollen bezwungen werden. Weiß der Geier, wer die geritten hat, hier ihre Häuser hinzubauen. Geht man die Straße hoch, guckt man an der einen Seite des Hauses in den Keller, auf der anderen Seite aber schon in die Fenster im 2. Stock, so steil ist das. Im Auto hat man permanent Angst, das man gleich rückwärtiges Übergewicht bekommt, vorne abhebt und den Berg hinunterkullert. Etwas beklemmend.

Porzellan, Glas und Holz sind die Elemente, die hier das Leben bedeuten. Viel Handwerkskunst, viel Handwerkskitsch. Wer eine schöne Lichtmühle im Fenster hat kann gleichzeitig Gartenzwerge, -rehe und -störche im Garten stehen haben. Und kann trotzdem sehr nett sein. Oder auch nicht. Wie der Lokalbesitzer in Katzhütte, der zwei Gäste anfuhr, die trotz Hundeverbotsschild einen Hund mit auf die Terasse genommen hatten. Sie mögen den Hund doch „nach draußen tun“. Die Hundebesitzer gaben Widerworte und schon schrie der Wirt, die anderen müssen noch viel scheißen und was weiß ich nicht alles. Interessante Strategie, wenn man vom Tourismus lebt.

Ach, WLAN hatte ich da auch nicht. Das ist der Grund, warum ihr für ein paar Tage von mir verschont wurdet. Nun wird es höchste Zeit, wieder mein Spott-Horn über der Welt auszuschütten. Schalten Sie wieder ein, wenn es demnächst heißt: „Siemens zahlt keine Schmiergelder mehr“!

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5 Antworten to “Back in hell”

  1. kamianni said

    also ähm…ich selbst wohne in deesbach…un au wohn ich auf der steilsten ortsstraße deutschlands…un man kann in häuser reingucken? ich hab meine nachbern noch nie gesehn…un siehs ma so…man nimmt ab^^…*g*…ich finds schön dahier…okay will scho woanders hin aba naja…
    un mit dem auto runterfallen…ach das is doch nu quark wenn ichs mim fahrrad schaff dann alle andern mim auto! das is pipifax:D…die ausschilderung is subbi nur wenn man schilder net lesen kann is es dumm…ich kenn mich aus wie in meiner westentasche…un vllt sollte man net die „neu gesperrten“ wege nehm! wäre gut! oder man fragt leute…aba net mich…:D…ich bin so gemein un erzähl net den richtigen weg:D:D:D:D…achja w-lan hat unser ferienhaus…:D…ma ne frage wo warst du? bei meiner tante in der pension?

  2. nomadyss said

    Ach, ich bin so gemein und erzähl nicht das richtige Ferienhaus. Wobei, könnt ja nebenher noch ein bisschen Dorfklatsch darreichen. Was man abseits der großen Stadt halt so erfährt, wenn man einkaufen geht…

  3. kamianni said

    höööö? dorfklatsch??? oh i want hear it….
    da ich aba eh nie da bin….ach wurscht…

  4. nomadyss said

    sei bloß vorsichtig mit solchen Wünschen. Wenn ich mal ein altes deutsches Sprichwort zitieren darf:
    „Der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand.“
    Und sonst: „I want TO hear it“, soviel Zeit muss sein … ach wurscht…

  5. kamianni said

    oh mann…ich schreibs eben so wie ich denk….
    hey ich hab doch gar keine wünsche geäußert!!! lediglich das ich wissen will was für dorfklatsch ich kenn genug xD

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