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Achtung: kann Spuren von Satire enthalten

Was ich nicht mag das kann ich auch nicht leiden

Posted by nomadyss - 20. August 2008

Ich fand die Logik dieser Textzeile der Abstürzenden Brieftauben immer schon extrem bestechend. Und diese Zeile war das erste, was mir einfiel, als ich ein Konto für meinen Sohn eröffnen wollte und dazu bei diversen Banken vorsprach mit der Idee, 25 € monatlich einzuzahlen. Banken sind ja bekannt dafür, die mühsam angesammelten Moneten des Kleinsparers völlig uneigennützig zu mehren.

Die psychologisch geschulten Bankberater schaffen es problemlos, Oma Krause klarzumachen, dass es ihr sehnlichster Wunsch ist, ihren Sparstrumpf nicht ihren undankbaren Enkeln in die offenen Mäuler zu schütten, sondern sich ein Depot mit Aktien von, sagen wir, Juragent, unter das Kopfkissen zu legen. Prozessfinanzierer. Das nächste ganz große Ding. Alles ganz seriös, guckst Du Oma Krause, da macht sogar ein Richter a.D. mit.
Und Oma Richter traut natürlich dem Richter, der blinder als ihre Hühneraugen ist. Und Oma freut sich, dass es jetzt ab geht. Die Kurse steigen minütlich, solange Oma noch ein paar Extra-Märker aus ihrem Blumentopf holt.
Oh, Oma. Den goldenen Sarg haben doch immer die anderen.
Man nennt es wohl kreative Buchhaltung, wenn man es als Prozessfinanzierer schafft, den Freikauf des Kumpels aus dem Knast und einen Boxkampf zwischen zwei alten Männern, wovon der eine der freigekaufte Knasti gewesen sein könnte, mit 3 Mio € in die Bilanzen zu schreiben. Und Omas Geld ist weg.
Die Banken machen gute Mine zum bösen Spiel. Die Kredite über mehrere Millionen platzen zwar, aber das Geld kommt wieder. Eben diese mehreren Millionen wollen schließlich angelegt sein. Alles kein Problem unter Geschäftsmännern.

Aber versuchen Sie als Normalsterblicher mal, 25 € im Monat anzulegen. Die großen deutschen Banken geben sich mit solch lächerlichen Beträgen gar nicht ab. Die schwedische SEB (Eigenwerbung: Wir können Konten) lässt endlose Vorträge halten und ebenso endlose Listen mit Zahlenreihen aushändigen, die nur ein Ziel haben: den Ratsuchenden zu verwirren.
Was ist ein „Rückkaufswert“? Sollte es sich dabei um mein Erspartes handeln? Nach der monatlichen Einzahlung von 25 € hat das Teil nach 1 Jahr einen Rückkaufswert von 24 €. Macht einen Verlust von 276 €. Ziemlich hohe Kontoführungsgebühr. Wenn das alles so toll wäre, wie die Bank sagt, würde sie ihr Geld ja selbst so anlegen. Macht sie aber nicht.

Und ich – ich auch nicht!
Kauf ich mir lieber einen Taschenrechner für 3,99 € und ein Schreibheft für 0,29 € und rechne am Jahresende selber aus, wieviel Zinsen Sohnematz von mir kriegt.

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2 Antworten to “Was ich nicht mag das kann ich auch nicht leiden”

  1. tshalina said

    Das Theme hatte ich auch mal. 🙂 Aber jetzt sieht der Blog ganz anders aus. Hab dich über Dpetereit gefunden. Kannte deinen Blog vorher gar nicht. Schick….

    Ich habe ein Tagesgeldkonto bei Kreissparkasse (Es dürfen jetzt alle einmal Lachen!) Mir versprach man auch alles Mögliche. Das Ende vom Lied: Ich werde es Montag aus Ermangelung von Mitteln auflösen, denn warum soll ich an etwas festhalten, was sich nicht wirklich rentiert. 😦

  2. nomadyss said

    Dabei scheint ein Tagesgeldkonto noch eine der derzeit vernünftigsten Sachen zu sein. Hat mir z.B. auch ein mir bekannter Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bestätigt.
    Es gibt dazu einen „schönen“ ewigen Artikel aus dem SPIEGEL: „Die Bank gewinnt immer“. Ist schon 10 Jahre alt, hat aber nichts an seiner Aktualität verloren.

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