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Achtung: kann Spuren von Satire enthalten

All under control

Posted by nomadyss - 25. Juni 2009

Haben Sie schon einmal etwas von GPS-gestützten Ortungsgeräten gehört? Das sind Geräte, mit denen man die eigenen Kinder orten kann. Da kriegen die Kleinen eine GPS-Armbanduhr um und schon wissen die besorgten Eltern, wo sich ihr Kind den ganzen Tag rumtreibt.

Bekamen die Neugeborenen früher als erstes einen Klaps auf den Po, so bekommen sie heute als erstes ein GPS-Armbändchen, damit die blöden Schwestern nicht dauernd die Kinder vertauschen. Kaum können die Kinder laufen bekommen sie das GPS-Kinderhandy mit auf den Weg. Hier müssen sie alle 10 Minuten drücken, um zu beweisen, dass sie noch leben. Auch lassen sich die Geräte so einstellen, dass bei den Eltern ein Alarm losgeht, sobald das Kind einen vorher vorgegebenen Radius verlässt.

Mein 10jähriger Sohn Klaus-Jürgen hat sich soeben mit seiner ersten Geschäftsidee selbständig gemacht. Er ist GPS-Sitter und führt gegen einen kleinen Obolus die GPS-Geräte der Nachbarskinder Gassi. Während die Gören das Atomendlager erkunden oder Ausflüge zur Reeperbahn machen drückt er auf Knöpfe und achtet penibel genau auf die vorgegebenen Go’s und No Go’s. Alle waren glücklich und zufrieden, bis Tamiflus Eltern dank Update ihrer Software feststellten, dass ihre Tochter scheinbar den ganzen Tag in Gesellschaft von Justin verbrachte, einem frechen Jungen aus der Nachbarschaft, der das gehobene Bildungsniveau ihrer Tochter aufs Empfindlichste gefährdete. Andere Eltern waren erschreckt, dass ihre Kinder mit dem Sohn des gescheiterten Börsenbrokers spielten. Mein Sohn konnte diese Arbeit nicht mehr alleine bewältigen und stellte Mitarbeiter ein, auf die er die verschiedenen Geräte nach einem genau ausgeklügelten System verteilte. Doch die Vorgaben der Eltern wurden immer komplizierter. Kein Sex zwischen Friederike und Ronny, Schuan durfte auf dem Spielplatz nicht auf das große Klettergerüst, Neo nicht an den See, nicht in die Eisbude, die Kneipe, die Videothek, die Duschräume der Sporthalle und in die Nähe von Mike. Und das Haus des Anlageberaters musste von fast allen Kindern weiträumig gemieden werden. Das schränkte Klaus-Jürgens Bewegungsspielraum zu sehr ein und er begann, eine Software zu entwickeln, die ideale Routen unter Berücksichtigung der elterlichen Ge- und Verbote errechnete.
Inzwischen überlässt er das Gassigehen vollständig seinen Angestellten und kümmert sich nur noch um die Software. Er ist der beliebteste und zugleich der meist gehasste Junge des ganzen Stadtteils und hat längst mehr Geld als ich.

Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem er entdeckt, dass ich derjenige bin, der die Eltern der Nachbarschaft mit immer ausgeklügelteren GPS-Geräten versorgt. Wahrscheinlich dauert es dann nicht mehr lange, bis er den GPS-Sender in seinem Goldkettchen findet.

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2 Antworten to “All under control”

  1. man prüft momentan die ersten biologisch abbaubaren gps-systeme, die man dann nach geburt den babys gleich einpflanzen würde. die halbwertszeit jener produkte würden sich auf 4 jahre belaufen. nach spätestens 8 jahren wären diese bereits im körper vollständig abgebaut.

    • nomadyss said

      Ich schätze, Wolfgang Schäuble entwickelt schon Geräte, die ein Leben lang halten? Wie er danach giert, bei jedem Durchfall live dabei sein zu können.

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