kaffeeweiBer

Achtung: kann Spuren von Satire enthalten

Last dance

Posted by nomadyss - 7. Juli 2009

Ich berichte hier live von der Beerdigung des King of Pop. Obwohl, mit dem Poppen hatte er es ja nicht so. Wenn es zu doll ging fiel immer sein Pimmel ab. Seit seiner Arisierung war das sein größtes Problem. Abfallende Körperteile. Zuerst die Nase, nach und nach alles andere. Vor zwei Wochen ist ihm dann der Kopf abgefallen und das war’s.

Nun stehen wir hier an seinem Grab und suchen seine linke Hand. Ach, da. Ist noch an der Kaffeetasse dran. Hat zum Glück noch keiner von den Souvenirtouristen gesehen, die sich zu einer echten Plage gemausert haben. Jeder will ein Stück von Jacko mit nach Hause nehmen. Die Security hat alle Hände voll zu tun, dass die Leute nicht alles rausschleppen. Dann können wir die schöne Beerdigung absagen. Wo es doch so lecker Essen geben soll. Und ohne Leiche auch kein Toter, ohne Toten auch kein Erbe. Was werden die Angehörigen wütend sein.

Doch die Jungs mit den breiten Schultern halten sich wacker. Wir können beginnen. Der Trauerzug besteht aus der Neverland-Pioniereisenbahn, die die Dauergäste zur Grabstelle fährt. Hier warten 80.000 Fans auf uns, die seit vorgestern morgen auf dem Friedhof campen, um einen letzten Blick auf ihr Idol zu werfen. Wie ich gerade sehe, sind gar nicht mehr alle auf die Beine gekommen. Die lassen wir dann gleich hier. Massengräber sind zwar gerade etwas aus der Mode, aber was tut man nicht alles, um neben seinem Idol begraben zu werden.

Die Grabrede ist gänzlich uninteressant. Mehrmals weist der Prediger der Moon-Sekte, die Jackson durch seinen Moon-Walk gesellschaftsfähig gemacht hat, darauf hin, dass hier ein Peter Pan von uns geht. Ich weiß nicht, was daran so spannend sein soll, für immer Kind zu bleiben. Befreit von jeglicher Verantwortung, immer schön peinlich sein. Vielleicht noch rosa für eine schöne Farbe halten. Keinen Alkohol trinken dürfen. Keine Ahnung haben. Ständig von den blöden Eltern vollgemeckert werden. Von anderen Gören gehänselt werden und an den Haaren gezogen bekommen. Als Österreichisches Kind zudem eingesperrt, geschlagen und missbraucht werden. Also wenn Sie mich fragen, das Leben als Diktator macht erst als Erwachsener so richtig Spaß.

Der Trauerzug bewegt sich langsam am offenen Sarg vorbei. Jeder murmelt ein paar Worte. Doch was ist das? Jacksons Vater verlässt die Reihe, springt vor, greift in den Sarg, rüttelt dem Toten am Hals und brüllt: „Du Hurensohn! Ausgeburt des Teufels! Steh‘ endlich auf! Du singst jetzt gefälligst!“ Jetzt reißt er sich den Gürtel von der Hose und drischt auf den wehrlosen Sohn ein. „Dir werd‘ ich’s austreiben! Schaff‘ Kohle ran, aber ein bisschen plötzlich! Deine wehleidigen Schauspielereien kannst Du Dir sparen!“
Oh, oh, das wird Ärger geben. Und jetzt, ich traue meinen Augen nicht!

Jackson steigt aus dem Sarg! Er steht in der Luft, ein Zucken geht durch seinen Körper. Von Ferne kommt eine Melodie, eine bekannte Melodie. Jackson tanzt!
Jackson singt!!!

„Because I´m dead. I´m dead – come on
(dead, dead – really, really dead)
You know I´m dead, I´m dead – come on you know it
(dead, dead – really, really dead)
You know I´m dead, I´m dead – come on you know
(dead, dead – really, really dead)
and the whole world has to answer right know
just to tell you once again, who´s dead“

Jackson steht, in einer Wolke aus Licht und Duft. Er steigt auf in den Himmel. Das Licht, das keine Quelle zu haben scheint, ist noch ein paar Minuten zu sehen und verblasst. Die Melodie verklingt. Dann ist Stille. Totenstille.

Nach einer Minute oder zwei fängt die erste an zu schluchzen. Die zweite steigt ein. Kurz darauf weint der ganze Friefhof. Die Menschen an den Fernsehgeräten tun es ihnen gleich. Noch im Tode verzeichnet Jacko den letzten Guiness-Buch-Eintrag. 6 Milliarden Menschen weinen.

Dann ist es vorbei.

Ich verabschiede mich von dieser bewegenden Zeremonie und hänge meinen Beruf an den Nagel. Nach dieser Messe kann nichts mehr kommen.

Auf Wiedersehen.

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